Einig waren wir uns von Beginn an: Regionalität ist wichtig. Doch die erste Liste der gewünschten, unverpackten Produkte, sah ganz anders aus: Kaffee, Reis, Schokolade, Olivenöl: all die Dinge, die heutzutage in Deutschland eben so zum Alltag dazu gehören. Und eine bindende Definition von Regionalität gibt es schließlich nicht. Trotzdem ist klar, dass Kaffee aus Westafrika, Indonesien, oder Brasilien wohl keiner noch so weit definierten „Regionalität“ entspricht. Aber ein Laden ohne Kaffee? Wer besucht denn einen Laden, wo es keine Schokolade gibt, wo noch nicht einmal Reis gekauft werden kann? Also ab in die Mülltonne mit dem Vorsatz der Regionalität…oder doch lieber kreativ umdenken? Immerhin fördert Regionalität umweltfreundlicheren und nachhaltigen Konsum. Nach einer intensiven Diskussion im Team wurde klar: Frau Lose steht zur „Regionalität“.

Was heißt „Regionalität“ bei Frau Lose?

Ökotest bezeichnet Produkte als regional, bei denen Erzeugungs-, Verarbeitungs-, und Vertriebsgebiet in einem Umkreis von 60 Kilometern liegen1. Zahlreiche Discounter schmücken Produkte mit der Bezeichnung „regional“, was unterschiedliche, oft undefinierte Bedeutungen hat. Um viele Waren unverpackt anbieten zu können, zieht Frau Lose die Obergrenze von Erzeugungs- und Verarbeitungsgebiet bei 600 Kilometern. Dies erlaubt es uns, zum Beispiel Salz aus dem 250 Kilometer entfernten Göttingen anzubieten. Der Richtwert von 600 Kilometern bedeutet allerdings nicht, dass wir wahllos Produkte aus diesem Radius beziehen. Wir stecken viel Zeit und Mühe darein, die Transportwege der angebotenen Produkte so kurz wie möglich zu halten. Dieses Ziel steht eindeutig über der Wirtschaftlichkeit des Ladens.

Wie viele Kilometer die angebotenen Waren dann wirklich zurückgelegt haben, wird im Laden deutlich erkennbar sein. Wir bemühen uns, dass der Raum mit Waren die weniger als 600 Kilometer zu uns zurückgelegt haben, der größte im Laden wird.

Muss ich mich also einschränken?

Ein „Muss“ gibt es nicht. Wir möchten den Anspruch bedienen, dass jede*r weiß, wie weit die Produkte gereist sind, bevor sie auf unseren Tellern landen. Information und Transparenz haben bei uns Priorität.

Bei uns findest du altbekannte Produkte wie Äpfel oder Tomaten, nur eben nicht aus Spanien, sondern aus der Region. Das führt dazu, dass wir kein festes Sortiment haben. Im Januar wirst du bei uns zwar keine Tomaten einkaufen können, dafür aber typisches „Wintergemüse“ und zahlreiches Lagergemüse. So entsteht ein buntes Sortiment. Frau Lose ermöglicht zwar keinen Wocheneinkauf mit Kaffee, Schokolade, Bananen und Tomaten, doch viele Alternativen: je nach Flexibilitätsgrad und persönlicher Vorlieben kannst du bei uns einen alternativen Wocheneinkauf tätigen, nur bestimmte Produkte kaufen, oder dich einfach informieren, was für Gemüse zur Zeit geerntet wird.

Darüber hinaus informieren wir auch über Alternativen: wie ersetze ich beim Kochen die Säure, wenn ich keine Zitrone zur Hand habe? Wie kreiere ich Schärfe ohne Chillies? Komm vorbei und informiere dich, oder kaufe ein, um zuhause Altbewährtes beziehungsweise neue Alternativen auf den Tisch zu bringen.

Was bringt diese „Regionalität“?

Zunächst einmal bringt der möglichst regionale Bezug von Waren, vergessene Speisen wieder auf den Teller. Darüber hinaus ist Regionalität mit einigen berühmt-berüchtigten Schlagworten der aktuellen Zeit eng verknüpft: Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit, Postkolonialismus, Gesundheit.

Umweltfreundlichkeit:

Durch kurze Transportwege verringern wir den Ausstoß von CO2 und weiteren schädlichen Emissionen. Dadurch leisten wir einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Nachhaltigkeit:

Angelehnt an die Umweltfreundlichkeit von regionalen Waren ist der Wert der Nachhaltigkeit. Dieser wird nicht nur durch die Verringerung von Transportwegen geleistet. Auch kann Wertschätzung von regionalen Produkten stabilere Strukturen innerhalb dieser Region fördern. Doch auch für weit entfernte Regionen ist unser Bezug von regionalen Waren heutzutage ein Vorteil. Viel zu viele Menschen arbeiten an anderen Orten dieses Planeten unter unwürdigen Bedingungen und werden schlecht entlohnt. Dies wird unter anderem durch unsere Gewohnheit verursacht, alles zu jeder Zeit verfügbar haben zu wollen. Frau Lose bietet einen Ort, der diesem ausbeuterischen System widerspricht.

Postkolonial:

Hier finden wir auch den postkolonialen Aspekt, der viele Menschen dazu bringt, nicht mehr täglich Kaffee, Bananen, Avocado, oder Kakao zu konsumieren. Das etablierte Handelssystem, in welchem Menschen größtenteils unter unwürdigen Bedingungen arbeiten, basiert auf ausbeuterischen Beziehungen, die in der Kolonialzeit etabliert wurden. Dieses Hierarchiegefälle spiegelt sich auch 2019 noch in vielen überregionalen Handelsbeziehungen wider.

Gesund & lecker:

Ganz abgesehen von umwelttechnischen und moralischen Gründen, schmeckt regionales Essen meist besser, da es nicht unterwegs reifen musste, sondern erntefrisch angeboten wird. Da unsere Produkte biologisch angebaut werden, sind sie auch gesünder, als viele Alternativen.

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